Buchpreisbindung

Kultur ist keine Freihandelsware

Kulturelle+Ausnahme

Das Urheberrecht und die Buchpreisbindung könnten fallen. 

Der VS und und die Buchverleger wehren sich gegen das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA. Denn dabei wird auch über Kultur verhandelt, alles ziemlich geheim. Die Gefahr besteht, dass die europaweite Buchpreisbindung fällt. Das bedeutet den Untergang kleiner Verlage und kleiner Buchhandlungen. Denn billige Bücher werden sich nur die Großen leisten können.

In dem Abkommen soll der Kulturbereich ähnlich wie die Automobilindustrie oder Landwirtschaft behandelt werden. Das geht nicht. Es könnte auch bedeuten, dass das Urheberrecht aufgeweicht wird.

Die Europäische Union verhandelt seit Juli 2013 nicht-öffentlich über das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP), um Handelsbarrieren in verschiedenen Wirtschaftsbranchen
abzubauen. Nicht einmal der Bundestag weiß über die Einzelheiten Bescheid.

Hier die Presserklärung von VS und Börsenverein (als pdf): 

Kulturelle Ausnahme jetzt!

Der Verband deutscher Schriftsteller in ver.di (VS) und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verlangen Transparenz bei den aktuellen Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA (TTIP). Sie fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung und Entscheidungsträger in der EU auf, für die aktuellen Gespräche eine umfassende kulturelle Ausnahme bei der EU-Kommission nachzuverhandeln, den Verhandlungsstand zum Thema Kultur und Medien kontinuierlich offenzulegen, Transparenz für alle Verhandlungsbereiche zu schaffen sowie die Beteiligung der Zivilgesellschaft zu ermöglichen und den deutschen Bundestag in alle Verhandlungsschritte einzubeziehen.
»Kunst, Kultur und Bildung in Europa sind nicht verhandelbar. Es ist nicht nachvollziehbar, dass für den Bereich der Kultur bei den Freihandelsgesprächen bislang keine Ausnahme gemacht wurde. Nachdenklich macht zudem die Intransparenz, mit der verhandelt wird. Wer nichts zu verbergen hat, kann die Öffentlichkeit an den Diskussionen auch beteiligen«, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.
»Als Unterzeichnerstaat muss Deutschland dafür sorgen, dass die UNESCO Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen beim Freihandelsabkommen beachtet wird. Deshalb müssen alle kulturellen Bereiche aus dem Anwendungsbereich explizit ausgenommen werden«, erklärte Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bundesgeschäftsführer VS in ver.di.

Für den VS und den Börsenverein ist diese Initiative Bestandteil einer künftig engeren Zusammenarbeit bei kulturpolitischen Fragen. Erst im Januar beschlossen beide Interessenvertretungen einen neuen Normvertrag, in dem auch die Rechte der elektronischen Verwertbarkeit geregelt werden. Er wurde heute unterzeichnet.

Berlin, 6. Februar 2014

Kontakt für die Medien:

Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Claudia Paul, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon +49 (0) 69 1306-293, E-Mail: paul@boev.de
Thomas Koch, Presse-Referent
Telefon +49 (0) 69 1306-292, E-Mail: t.koch@boev.de

Verband deutscher Schriftsteller
Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bundesgeschäftsführer
Telefon +49 (0) 30 6956-2327, E-Mail: vs@verdi.de

Schweiz lehnt Buchpreisbindung ab

Reto Finger wikipedia
Reto Finger (wikipedia)

Die Schweizer haben es am Sonntag abgelehnt, die Buchpreisbindung in der Schweiz wieder einzuführen. Sie wurde 2007 abgeschafft.
Der AdS bedauert das in einer Stellungnahme:

Zürich, 11. März 2012 Das Nein für die Buchpreisbindung: ein Nein für das Kulturgut Buch?

Der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS bedauert sehr das Nein zum Buchpreisbindungsgesetz. Weder die zahlreichen Schweizer Autorinnen und Autoren noch der engagierte Einsatz der grossen Anzahl Befürworter aus Politik, Kultur und Buchbranche vermochten die Schweizer Stimmbevölkerung zu überzeugen, dass auf das Kulturgut Buch auch in ökonomischer Hinsicht speziell Rücksicht genommen werden müsste. Ohne das bestens bewährte Mittel der Buchpreisbindung wird das Buch nun dem freien Markt überlassen, was die gesamte Buchbranche absehbar schwächen wird. Das wird auch Folgen für die Schweizer Autorinnen und Autoren haben, denen damit der Zugang zum Buchmarkt noch mehr erschwert wird. Es brauche für eine vielfältige und lebendige Buchkultur andere Fördermittel, insbesondere für die Autorinnen und Autoren, so ein immer wiederkehrendes Argument der Gegner. Der AdS wird sie nun beim Wort nehmen und diese einfordern. Denn auch ohne Preisbindung braucht die Schweiz eine konzise gesamtschweizerische Literaturförderung!

Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS
Reto Finger, Präsident
Nicole Pfister Fetz, Geschäftsführerin
Tel. 044 350 04 60 oder 079 330 02 67, npfister@a-d-s.ch
www.a-d-s.ch

Amazon kann die Preisbindung zu Fall bringen

imre
Dass Amazon als Verlag aktiv wird, bedrohe nicht nur das gesamte Ökosystem der Verlage – sondern letztlich auch die Buchpreisbindung, fürchtet Imre Török, Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS). Doch es gebe auch Anzeichen, dass die traditionellen Verleger und Schriftsteller dank der Allmacht des Online-Riesen wieder näher aneinanderrücken. 

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