Pressemitteilung

Wir brauchen eine neue Zukunftserzählung

Eva%2BLeipprand

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller beobachtet mit Besorgnis den Rechtsruck und den Rückfall in nationalistisches Denken in unserem Land, aber auch in Europa und weltweit. (Pressemitteilung)


Demokratische Werte scheinen plötzlich nicht mehr selbstverständlich, der Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt. Der Blick zurück ist aber gefährlich und kann keines der anstehenden Probleme lösen, so die VS Vorsitzende Eva Leipprand. Über Jahre hin hat die Politik auf Bundesebene versäumt, sich mit den Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung auf Kultur und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Der VS appelliert an die neue Bundesregierung, endlich eine sinnstiftende Zukunftserzählung zu entwickeln.
Bei ihrer Jahrestagung in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel diskutierten die Bundes- und Landesvorsitzenden des VS am 23. Februar 2018 Grundlinien einer Charta zur Wahrung demokratischer Rechte, die für die Mitgliedschaft im VS bindend werden soll. Diese Charta soll beim Jubiläumskongress zum 50-jährigen Bestehen des VS im Februar 2019 verabschiedet werden.
Ebenso wurde auf der Sitzung in Wolfenbüttel beschlossen, dass sich der Verband der Initiative »#VerlageGegenRechts« anschließt und an entsprechenden öffentlichen Diskussionen auf der Leipziger Buchmesse teilnimmt. Seit seiner Gründung tritt der VS ein für freie Meinungsäußerung und eine humanistische, demokratische, offene Gesellschaft, die jedwede Form von Unterdrückung und Diskriminierung ablehnt.
Er setzt sich ein für Frieden weltweit und ächtet Nationalismus als Keimzelle künftiger Kriege.
Von der neuen Bundesregierung erwartet der VS neben einer harten inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD auch wirksame Maßnahmen gegen die rechten Tendenzen im Land. Die rasanten Veränderungen infolge von Globalisierung und Digitalisierung haben vielerorts dazu geführt, dass Menschen sich verunsichert und machtlos fühlen. Der Blick zurück in die »gute alte Zeit« scheint Geborgenheit zu garantieren. Einfache Antworten aus der Mottenkiste des Nationalismus und Rassismus haben Hochkonjunktur. Abgrenzung, Ausgrenzung und Abwertung anderer können aber keine Lösung sein für Probleme, die ganz klar übernationaler Natur sind, so die Vorsitzende. Dies muss immer wieder deutlich gemacht werden. Gerade weil die Globalisierung vielerorts zu Raubbau, Umweltzerstörung und großer Ungerechtigkeit geführt hat. verlangt eine gute und zukunftsfeste Politik nach einer übernationalen Sichtweise. Die Themen Umwelt, Gerechtigkeit und Migration bedingen sich gegenseitig.
Der VS ruft die Bundesregierung auf, die Gestaltungsmacht der Politik auf allen Ebenen gegenüber der wachsenden Ökonomisierung unserer Lebenswelt geltend zu machen. Die Humanisierung der neuen Technologien ist dringend notwendig, ebenso wie digitale Grundrechte für jede und jeden. Die Demokratie als Staatsform muss wieder an Glanz gewinnen und Visionen für die Zukunft entwickeln, zum Beispiel im Rahmen der Europäischen Union. Internationale Digitalkonzerne haben sich an die Regeln zu halten, nach denen unsere Gemeinschaft funktioniert: Steuern zahlen, Datenschutz und Urheberrecht achten, gerechte Arbeitsbedingungen schaffen. Die Wirtschaft muss wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Nur so kann das
Vertrauen entstehen, das unsere Gesellschaft zusammenhält.
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Die VS-Pressemeldung vom 27. Februar 2018 kann von der Internetseite http://vs.verdi.de als pdf-Datei geladen werden.

Eine Katastrophe für die Literatur

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Der Verband deutscher Schriftsteller, VS, hat das neue Vergütungsmodell des online-Händlers Amazon für Autoren scharf kritisiert. 

Die VS-Vorsitzende Leipprand sagte, es handle sich um einen Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit einem Buch. Amazon bezahlt seit Anfang des Monats Autoren von selbstverlegten E-Books nur noch pro tatsächlich gelesener Seite. Amazon kann dafür das Leseverhalten der Kunden auf dem Kindle-Lesegerät verfolgen und auswerten.

Amazon kontrolliert Gedankenfreiheit

VS sieht durch Amazons neues Bezahlmodell Lese verhalten überwacht und Autorenrechte beschnitten Auf scharfe Kritik bundesdeutscher Autorinnen und Autoren ist die Strategie von Kindle Unlimited (KU) und Kindle Owners’ Lending Library (KOLL) gestoßen, ihre Autorinnen und Autoren nur noch nach gelesenen Seiten zu bezahlen. Voraussetzung dafür ist, dass Amazon das Leseverhalten seiner Kunden wie »big brother« verfolgt und auf Grundlage der erfassten Daten den Autoren nicht das gesamte heruntergeladene Buch vergütet, sondern nur die von den Kunden gelesenen Passagen.

»Dies ist ein kontrollierender Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch und das damit verbundene Verhältnis zum Autor«, kritisiert Eva Leipprand, die Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller VS. Der Bundesvorstand und die Landesvorsitzenden des Schriftstellerverbands VS in ver.di hatten auf ihrer jüngsten Sitzung in Göttingen die Vorgehensweise von Amazon kritisch diskutiert. Sie waren sich einig, dass dieses System bei einer weiteren Verbreitung eine Katastrophe für die Literaturlandschaft bedeute und die Gedankenfreiheit der Leser und Autoren einem fortschreitenden rein ökonomisch orientierten Zugriff unterwerfe.

20 Damit drohe eine außerordentliche Gefahr für den durch individueles Leseverhalten geprägten Schreibprozess der Autoren. Er müsse prioritär darauf gerichtet sein, die Leserinnen und Leser kontinuierlich im »Cliffhängerstil« von einer Seite zur nächsten zu treiben.

Weitere Themen der VS-Vorstandssitzung waren die Wahrung der Autorenrechte in Zeiten der Digitalisierung, die konkrete Vernetzung mit anderen europäischen Interessenverbänden im Bereich Literatur und Kunst sowie die Absage an das geplante Handelsabkommen TTIP mit den USA.

Die VS-Vorsitzende erklärte: »Das Buch darf, während Digitalisiesierung und Globalisierung fortschreiten, nicht den Marktkräften und ihren Gesetzmäßigkeiten überlassen bleiben.«

Das Urhebervertragsrecht durchsetzungsstark gestalten

verdi+pressemitteilungenDas fordert der stellvertretende Vorsitzende von ver.di, Frank Werneke.

»Urheberinnen und Urheber tragen in Deutschland noch immer die ‚rote Laterne‘, wenn es um die Durchsetzung von Mindestvergütungen geht«, so Frank Werneke anlässlich des UNESCO-Welttages des Buches und Urheberrechts. Die Politik müsse endlich Instrumente schaffen, die Urheberinnen und Urhebern sowie ausübenden Künstlerinnen und Künstlern ihren gesetzlich verankerten Anspruch auf angemessene Bezahlung sicherten.
Berlin, 22.4.2013

Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis

Felicitas Hoppe Leipzig 2012
Felicitas Hoppe, 2012
Wikipedia

Einen Glücksgriff, nennt Imre Török, Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS in ver.di), in einer ersten Reaktion die Entscheidung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die in Berlin lebende Felicitas Hoppe mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis zu ehren. »In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität«, begründete die Jury die Entscheidung. »Damit werde eine Autorin geehrt«, so Imre Török, »deren Werk die deutsche Literatur auf ganz eigene, unverwechselbare Weise bereichere«. Der Verband deutscher Schriftsteller gratuliert seinem Mitglied Felicitas Hoppe auf das Allerherzlichste zu dieser hochverdienten Auszeichnung!

Die Pressemeldung des VS vom 16. Mai 2012  pdf-Datei: https://vs.verdi.de/aktuelles/leute/felicitas-hoppe

Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und gilt als wichtigste Auszeichnung für Literatur in Deutschland. 
VS Baden-Württemberg