Stimme und Stimmung

Video Christa LudwigChrista Ludwig war nicht recht überzeugt von den Online-Lesungen, die in der Pandemie-Isolation entstanden sind. Sie hat uns geschrieben: „Entweder der Autor (oder die Autorin) ist präsent, dann funktioniert das alte Modell Autor-Buch-Glas Wasser oder die Lesung ist digital, dann sollte man die digitalen Möglichkeiten nutzen.“

Deshalb hat sie zwei Passagen  aus ihren Buch Ein Bündel Wegerich eingesprochen, das 2019 den Eichendorff-Literaturpreis bekommen hat und sich mit den letzten Jahren von Else Lasker-Schüler in Jerusalem beschäftigt. Aber sie hat die Texte in den rund 10 Minuten dauernden Videos nicht einfach nur aufgesagt, sondern gesprochen und mit grafischen Elementen hinterlegt, teils aus handschriftlichen Textteilen, teils mit grafisch verfremdeten Symbolbildern, sodass man eintauchen kann in Stimme und Stimmung. Weiterlesen

Neues Stipendium des Landes

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Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Stipendienprogramms zur Förderung künstlerischer Praxis im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Bewerbungen auf ein Stipendium sind vom 15. September an bis einschließlich 13. Oktober 2021 möglich – auch für diejenigen, die schon der ersten Runde bedacht wurden, sich jetzt aber mit einem neuen Projekt erneut bewerben wollen.

Alle Informationen und Richtlinien stehen auf den Seiten des MWK.

VS organisiert Lese- und Diskussionsreihe

nsk

Die Stimme erheben, zu zeigen – dass man überhaupt eine hat – den Mitgliedern des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftstellern (VS in ver.di) war das zuletzt pandemiebedingt nur selten möglich. Zumindest nicht im Rahmen von Lesungen und Podiumsdiskussionen. Und wenn, dann überwiegend im Digitalen. Der persönliche Kontakt zum Publikum fehlte. Er kehrt auch im Sommer 2021 nur schleppend wieder.

Das ist schmerzhaft, sind doch öffentliche Auftritte nicht nur in finanzieller Hinsicht essentiell. Das Virus und seine Konsequenzen haben die Literaturbranche hart getroffen, die Verfasserinnen und Verfasser sind Publikations- und Präsentationsmöglichkeiten beraubt worden. Dem begegnet der VS Baden-Württemberg mit insgesamt 16 Veranstaltungen bis Jahresende in Stuttgart, der Region Mannheim/Heidelberg und Schopfheim bei Lörrach – dank des Förderprojekts „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds.

In elf Doppellesungen begegnen sich immer zwei Autorinnen und Autoren, stellen aktuelle Werke vor und tauschen sich untereinander und mit dem Publikum über literarische Entstehungsprozesse aus. Hinzu kommen fünf Podiumsdiskussionen in der Landeshauptstadt zu Interdependenzen zwischen Literatur und Politik in einem weiteren Bedeutungssinne. Ein Ausgangspunkt führt zur Stimme zurück, konkreter: zu Strategien, sie in Zeiten demokratischer Krisen und gesellschaftlicher Umwälzungen zu erheben, auf dass sie erhört werde – beziehungsweise zu der Frage, ob das im Jahr 2021 überhaupt noch ohne weiteres möglich, notwendig oder erwünscht ist.

 

Termine Diskussionen in Stuttgart (Eintritt fünf Euro, Anmeldung an marc@buchbensch.de):

Do, 23.9., 19 Uhr, Kulturwerk, Ostendstraße 106A: Politische Literatur im Wandel (1969-2021) mit Marcus Hammerschmitt, Widmar Puhl und Jutta Weber-Bock

Do, 30.9., 19 Uhr, Dreigroschentheater, Kolbstraße 4C: Werkstattgespräch Lyrik mit Timo Brunke, Peter Frömmig und Eva Christina Zeller

Sa, 2.10., 18.30 Uhr, Kulturwerk, Ostendstraße 106A: Werkstattgespräch Prosa mit Beate Rothmaier, Imre Török und Joachim Zelter

Mi, 6.10., 19 Uhr, Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2: Frauenrollen in der Literatur im Wandel mit Verena Boos, Nele Pollatschek und Vera Zingsem

Sa, 9.10., 16 Uhr, Theater in der Badewanne, Stresemannstraße 39 D: Wie politisch kann und soll Kinder- und Jugendliteratur sein? mit Iris Lemanczyk, Barbara Rose und Thomas J. Hauck

 

Termine Doppellesungen im Museumskeller Schopfheim, Wallstraße 10 (Eintritt zehn Euro, Anmeldung an markusmanfredjung@gmx.de)

Do, 16.9., 20 Uhr: Claudia Scherer und Jochen Weeber

Do, 21.10., 20 Uhr: Carola Horstmann und Karlheinz Kluge

Do, 18.11., 20 Uhr: Felicitas Andresen und José F. A. Oliver

Do, 9.12., 20 Uhr: Johannes Beyerle und Bille Haag

 

In der Region Mannheim/Heidelberg bestreiten Anette Butzmann, Marcus Imbsweiler, Gudrun Reinboth, Anne Richter, Meinhard Saremba, Friedhelm Schneidewind und Marion Tauschwitz aus der VS-Regionalgruppe Rhein-Neckar voraussichtlich im November und Dezember sieben Doppellesungen. Ihre jeweiligen Tandempartner und die genauen Termine stehen noch nicht fest.

Marc Bensch

„Ausgefallen“ – Förderung

Das Förderprogramm „Neustart Kultur“  bekommt eine neue Facette. Für Autorinnen und Autoren, die in den Jahren 2020 und 2021 ein Buch veröffentlicht haben und wegen der Corona-bedingten Einschränkungen Einnahmeausfälle hatten, greift das Fördermodul „Ausgefallen!“. Das wird aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien realisiert und eine Kompensation für ausgefallene Lesungen oder andere Veranstaltungen darstellen.
Bewerben können sich Autor*innen, die zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 30. Juni 2021 ein deutschsprachiges literarisches Buch in einem Verlag veröffentlicht haben, der Mitglied im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist oder ein eigenständiges Verlagsprogramm mit mindestens drei Autor*innen verlegt. Publikationen im Eigenverlag sind ausgeschlossen. Neben Belletristik (erzählende Literatur, Lyrik, Kinder- und Jugendbuch, grafische Literatur) werden auch Essayistik und literarische Biografien gefördert. Nicht gefördert werden Übersetzungen, Sachbücher, Fachbücher, wissenschaftliche Werke und dramatische Texte. Mehr dazu hier.

Widmar Puhl zum 70. Geburtstag

Widmar Puhl 2014

Ich kenne dich als unruhigen Geist, als Mann mit leuchtend wachem Blick, als Drängler in kulturpolitischen Themen, als Forderer, sich einzumischen, berstend vor Schaffenskraft. Begegnet bin ich dir zum ersten Mal 1990 im damaligen SDR (heute SWR) in der Nachrichtenredaktion. Da kannte ich dich schon als Lyriker. Ich bin froh, dass wir dich im Landesverband des VS haben, auch wenn du nicht immer mit dem einverstanden bist, was wir so machen. Du hast nämlich Recht: Wir dürfen es uns nicht zu gemütlich machen.
Im Namen des Landesvorstands des VS-Baden-Württemberg wünsche ich dir gute Gesundheit, viel Schaffenskraft und Erfolg. ¡Enhorabuena amigo!
Widmar Puhl wurde am 19. August in Zell an der Mosel geboren und lebt jetzt in Stuttgart. Als Schüler am Mozarteum in Salzburg bekam er eine solide musikalische Grundausbildung, lese ich in Internetartikeln. Er studierte Germanistik und Hispanistik an der Universität Köln und war dann als Autor und Redakteur für den SDR und SWR tätig. Seit 1990 ist er freier Autor und Redakteur. Er schrieb Hörspiele, Autor*innenportraits und Reiseberichte, machte wissenschaftliche Reportagen und Features. Das Drehbuch für den Dokumentarfilm des BR, »Die Tänzer von El Hierro«, ist ebenfalls von ihm, und eine Biographie über Manfred Rommel (1990) gibt es von ihm. 2019 erschien mit »Suleikas rebellische Kinder« das Ergebnis seines, wie er in der »Autorenwelt« selber sagt, »größenwahnsinnigen« Lyrik-Projekts, »ein Divan oder Anti-Divan in der Tradition des berühmten West-östlichen Divans von Goethe.« Einen kulturellen Dialog mit Gedichten zu führen, fasziniert ihn.
In seinem Blog »puhlswritinglife« kommentiert Widmar Puhl Zeitgeschehen, rezensiert Bücher, spricht über Kolleg*innen. Auch dazu hat er noch Zeit. Diese immense Leidenschaft, sich mit vielfältigen Mitteln und Formen des Schreibens öffentlich zu äußern, bewundere ich.
Widmar Puhl ist langjähriges Mitglied des Verbands Deutscher Schriftsteller*innen (VS) und im P.E.N.-Club Liechtenstein.

Eine Auswahl seiner Bücher:
Suleikas rebellische Kinder – Gedichte. (200 Jahre West-östlicher Divan). Pop Verlag, Ludwigsburg.
Die Quellen des Zorns. Gefahr für Rechtsstaat & Demokratie. epubli, 2015.
Hermann Gundert – Der „Luther von Malabar“ – Hermann Hesses Lieblingsgroßvater. epubli, 2015.
Handfeste Luftschlösser: Vom praktischen Nutzen der Utopie. Verlag Obleser Publizistik, Marbach, 2004.
Wo der Regenbaum stand. Gedichte. Alkyon Verlag, Weissach im Tal, 1996.
Dichter für die Freiheit – von der subversiven Kraft der Literatur in Osteuropa. Suhrkamp Verlag Berlin, 1993.
Der Oberbürgermeister: Manfred Rommel. Ein Porträt. Orell Füssli Verlag, Zürich, 1990.

Christine Lehmann

Gerhard Raff zum 75. Geburtstag

Gerhard Raff wurde 1946 in Stuttgart-Degerloch geboren. Auf seiner Internetseite (www.gerhardraff.de) lesen wir, dass sein Lebensweg oft vom sozialen Abstieg bedroht war. Dort heißt es: »Das Studium der Evangelischen Theologie und der Geschichte in Tübingen hat er sich als Eisenbahn- und Bauarbeiter, als Flughafenarbeiter und 5 wissenschaftliche Hilfskraft selbst verdient. Zur Finanzierung seiner Dissertation arbeitete er beim Stadtarchiv Stuttgart und verfasste dort die – danach vom städtischen Zensor arg zerrupfte – Chronik der Stadt Stuttgart 1954-1960.«
Raff wurde mit einer Arbeit über die Ursprünge des Hauses Württemberg promoviert, die 1988 unter dem Titel Hie gut Wirtemberg allewege I: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig veröffentlicht und mit bislang drei Folgebänden fortgeführt wurde.
Raff ist seit 1973 wöchentlicher Kolumnist der Stuttgarter Zeitung und 15 schreibt seine Kolumnen auch gern auf Schwäbisch. Seit 2003 ist er monatlicher Mitarbeiter des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg. Für seine schwäbischen Geschichten, die in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht und 1985 unter dem Titel Herr, schmeiß Hirn ra! als Buch erschienen, wurde er im gleichen Jahr mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet.
Seine Veröffentlichungen sind außerdem u. a.: Das dritte Hirn, Stuttgart/Leipzig 2005. 2. Auflage, Schwaigern 2012; Die Gschicht vom Mose ond de Zehn Gebot, Schwaigern 2011; Schwäbische Juwelen, Schwaigern 2012; Gerhard Raff kann auch Hochdeutsch, Schwaigern 2013; Hie gut Wirtemberg allewege IV, Schwaigern 2015.
Raff wurde auch geehrt: 1998 Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland; 2010 Daniel-Pfisterer-Preis des Geschichts- und Kulturvereins Köngen e.V.; 2013 Sebastian-Blau-Ehrenpreis Josef Eberle des schwäbische mund.art e.V.. 
Raff ist ein streitbarer Mann mit ureigenem Kopf. Ihn zeichnen aus die Liebe zur Erforschung der Geschichte seiner Heimat, der Stolz auf seine Herkunft als Bauernbub und sein Engagement für soziale, ökologische und kulturelle Projekte, die er überall fördert. Im Evangelischen Gemeindeblatt heißt es 2016: Er ist »der meistgelesene Dialektautor der Welt« und äußerst erfolgreicher »Benefizschwätzer«, wie er sich selber bezeichnet […] Er ist auch der Schaffer jenes Gartens im Ortskern des alten, seit 1908 nach Stuttgart eingemeindeten Filderdorfes […]. Wohltätigkeit ist überhaupt das Markenzeichen Raffs. Seine zeitweise bis zu 300 »Benefizschwätzereien« pro Jahr tragen immer dazu bei, irgendwo eine Kirche, eine soziale Einrichtung, eine Stiftung, Projekte in aller Welt zu fördern. Und so nebenher hat er bislang schon 141 Denkmäler in sechs europäischen Ländern »errafft« und errichten lassen, darunter die bekannten Stauferstelen – die 33. wird Mitte Oktober im holländischen Nimwegen enthüllt.«
Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller gratuliert Gerhard Raff zu seinem Geburtstag sehr herzlich und wünscht ihm gute Gesundheit – und weiterhin viel schwäbisch-aufständische Kraft.
(VS, PM vom 13.8.2021)

VS Baden-Württemberg