Imre Török: Ein Orden für den Beharrlichen

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Imre 2BToeroek

Der frühere Landes- und Bundesvorsitzende des VS, Imre Török, erhält den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. Bis zur tatsächlichen Verleihung muss er sich gedulden, sie ist „auf unbestimmte Zeit“ verschoben. Aber er weiß besagte Zeit zu nutzen. 

 Es gibt in Zeiten von Covid-19 ganz sicher unangenehmere Orte, um seinen Alltag zu verbringen als Ewigkeit. Ewigkeit, ohne „die“ davor, ist ein Weiler im Allgäu, in dem Imre Török seit 2018 sein Heimatzelt aufgeschlagen hat. Ewigkeit – das klingt nach Abgeschiedenheit, nach Spazierengehen im Grünen, nach Rückzug und Frieden, nach Isolation. Sich von der Welt abzuwenden aber entspricht nicht der Natur von Imre Török.

Und so liest man auch und besonders in diesen grotesken Wochen viel von ihm in den Weiten des weltumspannenden Social-Media-Netzwerkes. In ihm meldet sich Imre Török zu Wort, poltert gegen Verschwörungstheoretiker und argumentiert gegen das Verharmlosen an. „Jede Behauptung, Covid-19 sei nicht schlimmer als eine harmlose Grippe, entsetzt mich, weil sie medizinisch unsinnig ist und daher fatale gesellschaftliche und politische Auswirkungen hat“, sagt er. Seit fünf Jahren plagt ihn ein unheilbarer Immundefekt, an manchen Tagen ist der Schmerz so heftig, dass an kaum etwas anderes zu denken ist. Er aber kämpft weiter, in so vieler Beziehung.

Der Brief des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus dem Februar 2020 erreichte deshalb ohne jeden Zweifel den richtigen Adressaten. In ihm informierte der Landesvater den ehemaligen Landesvorsitzenden des VS (von 1996 bis 2005, danach von 2005 bis 2015 Bundesvorsitzender und bis 2019 Beisitzer im Bundesvorstand) über eine besondere Ehre: die Verleihung des Landesordens. Die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg erhalten ausschließlich Persönlichkeiten mit herausragenden Verdiensten. Töröks Reaktion? „Ich habe mich riesig darüber gefreut.“

Aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus  

Der Festakt zur Verleihung war eigentlich Ende April geplant. Er fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Wann er nachgeholt werden kann, ist derzeit unsicher. Imre Török feierte also virtuell – und erhielt ein Füllhorn an Gratulationen. Ganz sicher dürfte ihn das, in Kombination mit der Begründung des Ministerpräsidenten, veranlasst haben, zurückzublicken. Der Landesorden würdigt vor allem sein Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Selbiges hat eine lange Geschichte. Sie beginnt spätestens, als der gebürtige Ungar, der als Flüchtling nach Deutschland kam und in Nagold das Gymnasium besuchte, im damaligen Landtagswahlkampf mit Plakataktionen gegen die NPD demonstrierte. Dass deren Anhänger ihn körperlich angriffen, schreckte ihn nicht ab, sondern bestärkte ihn – ebenso wie das Studium in Tübingen, unter anderem bei Ernst Bloch. In seinen Romanen (zuletzt: Die Königin von Ägypten in Berlin) und Beiträgen für Anthologien schrieb er immer wieder gegen den Faschismus an. Als VS-Bundesvorsitzender spielte er eine tragende Rolle bei den Initiativen „Worte gegen rechts“ und „Stimmen gegen rechts“.

Seit dem VS-Jubiläumskongress in Aschaffenburg im vergangenen Jahr hat sich Imre Török zwar von seinen Ämtern zurückgezogen. Von einem Ruhestand aber ist er weit entfernt. In Ewigkeit schreibt er am nächsten Roman. Es wird wieder ein politisches Werk werden. Sein Engagement also geht weiter.

Achtung, nur dann gibt es Geld von der VG-Wort

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In diesem Jahr kann keine Mitgliederversammlung der VG-Wort stattfinden, die die Ausschüttungen beschließt. Deshalb findet die Abstimmung per Brief statt. 

Aber es gibt nur dann Geld für alle Berechtigten, wenn fünfzig Prozent der Angeschriebenen abstimmen und den Brief zurückschicken. Darauf macht der Bundesvorstand aufmerksam.

Also:  Bitte ignoriert den dicken Brief von der VG Wort nicht ungeöffnet, sondern lest ihn, stimmt ab und sendet ihn im vorfrankierten Umschlag zurück.
Nur wenn das Quorum erreicht wird, darf die VG Wort in diesem Jahr Gelder ausschütten!

Corona – eine Linksammlung für selbstständige Kunstschaffende

heilbronnvs12

heilbronnvs12Ver.di hat Informationen gesammelt, was wir freien Kunstschaffenden so machen können, wenn die üblichen Arbeitsweisen gerade nicht möglich sind. 

Hier eine Linksammlung:

https://selbststaendige.verdi.de/beratung/corona-infopool/++co++aa8e1eea-6896-11ea-bfc7-001a4a160100 FAQs von ver.di für Selbstständige
 
https://vs.verdi.de/themen/nachrichten/++co++4e085142-660f-11ea-9bec-001a4a160100
Infos für Künster:innen, wie sie ihre Honorarausfälle dokumentieren sollen und was sie sonst noch als Selbsthilfemaßnahmen tun können (gibts auch als PDF-Download dort unter dem Namen Handreichung des Verbands der Schriftsteller:innen und Schriftsteller). Das kann auch für andere Selbstständige/Honorarkräfte hilfreich sein.


https://2gather.jetzt/ Eine gerade aufgesetzte Plattform von einer Hamburgerin mit vielen Hinweisen und Tipps rund um finanzielle und andere Soforthilfen; Menschen, die helfen wollen; Online-Petitionen – richtet sich explizit an Freelancer / Solo-Selbstständige usw.

https://www.jimdo.com/de/magazin/corona-hilfen-fuer-selbststaendige-kleine-unternehmen/ Eine weitere Linkzusammenstellung rund ums Thema

https://www.vgsd.de/corona-virus-auch-selbststaendige-und-freiberufler-werden-bei-quarantaene-entschaedigt/  Umfrage vom Verband der Gründer und Selbstständigen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation, damit auch die Bedarfe dieser Gruppe gegenüber der Politik zu Gehör gebracht werden können. Unsereins braucht Vertretung!

https://www.tagesspiegel.de/berlin/steuererleichterungen-expressbuergschaften-schadensersatz-so-will-senatorin-pop-der-berliner-wirtschaft-durch-die-corona-krise-helfen/25654150.html infos u.a. dazu, dass es eine Liquiditätshilfe für Selbstständige geben soll

https://www.tagesspiegel.de/berlin/15-000-euro-pro-person-geplant-mueller-will-berliner-selbststaendige-in-corona-krise-unterstuetzen/25656102.html Speziell für Solo-Selbstständige in Berlin interessante Info

Coronavirus: Unterstützung durch VG Wort möglich

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logo vg wortWer durch Einnahmenausfälle infolge der Coronavirus-Epidemie in existenzielle Not gerät, erhält möglicherweise finanzielle Hilfe durch den Sozialfonds der VG WORT. Voraussetzung ist, dass er „urheberrechtlich geschützte Textwerke in nennenswertem Umfang“ nachweisen kann und Wahrnehmungsberechtigter der VG WORT ist. 

Möglich sind laut den Richtlinien des Sozialfonds einmalige Zuwendungen, monatliche laufende Zuwendungen, sonstige finanzielle Zuwendungen und gegebenenfalls zinslose Darlehen.

Weitere Informationen stehen auf der Unterseite der VG WORT, auf der sich auch ein Link zum Kontaktformular für weitere Fragen findet.

Wir danken unserem früheren Landesvorsitzenden Matthias Kehle für den wertvollen Hinweis.

Solidarität in Zeiten von Covid-19

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Der Bundesvorstand hat zusammen mit dem PEN eine Handreichung erarbeitet, die helfen soll, während der Corona-Krise unsere Situation und Einnahmeausfälle zu dokumentieren. 

Verhandlungen mit VG-Wort und KSK laufen. Wir versuchen, euch und auf der verlinkten Facbeookseite auf dem Laufenden zu halten.

Hier der Link zu der Handreichung

Die Selbständigen bei Ver.di haben ebenfalls ein Infoblatt ausgearbeitet. Sie schreiben:

Stand ist: Niemand kann ihre Fragen konkret beantworten, welche Hilfen es geben wird. Wir machen zwar Druck auf die Politik, und das Thema Solo-Selbstständige haben wir setzen können, aber es gibt eben zurzeit nur mehr oder weniger nebulöse Andeutungen, was an Programmen aufgelegt werden wird.

Mit dieser  Mitteilung will das Rerfat Selbständige eine kurze Wasserstandsmeldung geben, was wir in den letzten Tagen angeleiert haben, um das Thema „Hilfen auch und jetzt schnell für Solo-Selbstständige“ im politischen Raum zu setzen:

ver.di hat am vergangenen Freitag folgende PM abgesetzt: Rasche Nothilfen auch für Solo-Selbstständige erforderlich.

Wir haben einen Forderungskatalog (in der Anlage) entwickelt, den wir Frank Werneke mitgegeben haben für das Spitzengespräch im Bundeskanzleramt, das am Freitagabend stattfand. Der Katalog liegt auch im BMAS und wurde an Arbeitsmarktpolitiker*innen der Linken und der SPD weitergeleitet.

Erste politische Statements von politischer Seite zu genau dieser Zielgruppe gibt es bereits.

– Für Berlin ist diese Gruppe bereits im Fokus der Überlegungen https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134293.berlin-berliner-senat-kuendigt-finanzhilfen-an.html

– Frank Werneke hat sie in seinem 6-minütige Statement zu Corona ebenfalls herausgehoben:https://verdi.corporate.tube/channel/87587/2020/1/4VNdMh2_io6vUdnvqTARAc

– ebenso Marcel Fratzscher: https://www.zdf.de/politik/berlin-direkt/corona-wirtschaft-fratzscher-selbstaendige-100.html

– oder auch der DIHK https://www.dihk.de/de/aktuelles-und-presse/presseinformationen/-corona-schutzschild-wird-sich-fuer-uns-alle-auszahlen–19644

– Und bei Anne Will hat Armin Laschet explizit Hilfestellungen/Fonds-Lösungen für diese Gruppe angekündigt:

https://daserste.ndr.de/annewill/archiv/Die-Corona-Krise-wie-drastisch-muessen-die-Massnahmen-werden,coronakrise100.html

Das Thema ist in der Politik gesetzt. Aber es fehlt noch am Wichtigsten: Dem schnellen Handeln!

Wir sind gerade dabei, Fragen zu sammeln (wir sind natürlich an konkreten Fallbeispielen interessiert, die die Kolleg*innen an unsere Funktionsadresse selbststaendige@verdi.de schicken sollten!) und – wo möglich – Antworten als FAQ vorzubereiten. Die werden wir dann – wie alle bisherigen Informationen insbesondere unter https://www.facebook.com/Selbststaendige/ verbreiten (auch wenn wir wissen, dass es – zu Recht – viele Facebook-Verweiger*innen gibt). Die wichtigsten Informationen werden wir daher auch weiterhin unter https://selbststaendigen.info/news/einstellen und wohl demnächst auch mit einer Mail an alle selbstständigen Mitglieder eine Wasserstandsmeldung geben.

Einen herzlichen Gruß schickt und stabile Gesundheit wünscht

Veronika

cid:image003.jpg@01D5FB83ver.di – Referat Selbstständige

http://selbststaendige.verdi.de/

Beratung für Solo-Selbstständige:

https://selbststaendigen.info/

facebook.com/Selbststaendige

Rasche Nothilfe für Selbständige notwendig

buch
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Viele Selbstständige ohne Beschäftigte geraten durch die Absage noch nicht vertraglich vereinbarter Veranstaltungen wegen der Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Situation.

Zahlreiche Betroffene sehen sich unmittelbar von Insolvenz bedroht. Darauf macht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) aufmerksam. »Uns erreichen zahlreiche Hilferufe von unseren selbstständig erwerbstätigen Mitgliedern aus der Bildungsbranche durch Absage von Seminaren, von Medien- und Kulturschaffenden etwa durch Absage von Lesungen, Aufführungen oder Produktionen, aus der Veranstaltungsbranche oder von Ein-Personen-Reiseunternehmen«, beschreibt das zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz die Sachlage.

Da vielen Selbstständigen der Zugang zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung verschlossen ist, sind diese Erwerbstätigen im Falle der Auftragslosigkeit auf das Arbeitslosengeld II angewiesen.

Deswegen fordert ver.di, diesen Ein-Personen-Unternehmen für die individuell unverschuldeten Notlagen – vergleichbar den durch das Kurzarbeitergeld gestützten Wirtschaftsunternehmen – Liquiditätshilfen zur Verfügung zu stellen. Dabei spricht sich ver.di für branchenübergreifende Lösungen aus. »Diese Unterstützungsangebote sollten sehr zeitnah und zielgenau greifen«, so Schmitz, »und so ausgestaltet werden, dass in Notlagen auch Einzelunternehmerinnen und -unternehmer schnell, leicht und möglichst unbürokratisch an diese Hilfen kommen können.«

Konkrete Vorschläge hat ver.di zu Unterstützungskrediten etwa durch erleichterte Mikrokreditvergabe erarbeitet. Eine vorübergehende unbürokratische Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge würde die Selbstständigen bei den Fixkosten ebenso entlasten wie die für den Staat kostenneutrale Maßnahme der Senkung oder auch des Verzichts auf die für Selbstständige üblichen Einkommenssteuer-Vorauszahlungen. »Bei den von uns vorgeschlagen Maßnahmen müssen die Betriebsvermögen ebenso gesichert werden wie auch private Rücklagen etwa zur Alterssicherung«, fordert Schmitz und hebt hervor: »Das Wichtigste ist, dass jetzt schnell gehandelt wird.«

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zur ver.di-Pressemeldung vom 13. März 2020

Schriftstellerhaus sucht Beiträge zur Anthologie „Hälfte des Lebens“

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Stuttgarter 2BSchriftstellerhaus 2B 2528c 2529 2BAstrid 2BBraunDas Stuttgarter Schriftstellerhaus ist eine literarische Institution in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist das „Häusle“ eine der Anlaufstellen für Autorinnen und Autoren. 2020 würdigt das Schriftstellerhaus die Herren Johann Christian Friedrich Hölderlin und Georg Friedrich Wilhelm Hegel anlässlich deren 250. Geburtstag und bringt (nicht zum ersten Mal) eine Anthologie heraus. Titel: „Hälfte des Lebens“. Einreichungen sind bis zum 31. März 2020 möglich. 

„Mit gelben Birnen hänget …“ Auch wenn die Verknüpfung zu Hölderlin und dessen Gedicht gleichen Namens naturgegeben ist, sollen die Beiträge keine lyrische Nachdichtung sein. Sie müssen nicht einmal einen konkreten Bezug zum großen deutschen Dichter nehmen. Vielmehr sollen die Kurzprosa-Texte, Lieder, Erzählungen, Gedichte oder Essays sich im weitesten Sinne mit dem Thema ‚Hälfte des Lebens‘ auseinandersetzen.

Eingeladen zur Teilnahme sind Autorinnen und Autoren aus Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg, die mit dem Haus verbunden sind, darüber hinaus auch ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten des Stuttgarter Schriftstellerhauses. Der Umfang darf zehn Normseiten, bzw. fünf Gedichte nicht überschreiten.

Die Präsentation der Anthologie findet am 19. Juli 2020 im Garnisonsschützenhaus Stuttgart mit ausgewählten Autorinnen und Autoren statt. Als Herausgeber der Anthologie fungieren die Geschäftsführerin Astrid Braun und der Vorsitzende des Vereins Stuttgarter Schriftstellerhaus, Moritz Heger.

Die vollständige Ausschreibung findet sich auf der Website des Stuttgarter Schriftstellerhauses. Nur dort kann man die Beiträge per Onlineformular einreichen. 

Foto: Astrid Braun

Writer-in-Residence-Stipendium in Brünn ausgeschrieben

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Seit 2017 bietet das Kulturfestival Meeting Brno ein Writer-in-Residence Programm für ausländische Autorinnen und Autoren. Im Jahr 2020 laden die Organisatoren eine deutschsprachige Schriftstellerin im Zeitraum vom 4. Mai bis 1. Juni 2020 zum Schreibaufenthalt nach Brünn ein. Bewerbungen sind bis zum 15. Februar 2020 möglich.

Eine Plattform für Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Meinungen, Kulturen und Religionen will das Festival in der architektonisch und kulturell hochinteressanten tschechischen Stadt sein. Das Programm besteht Jahr zu Jahr aus anregenden Diskussionsforen und vielen künstlerischen Veranstaltungen, die sich auf das jeweilige Hauptthema des Festivals beziehen. Die diesjährige Auflage des Festivals findet vom 22. bis 31. Mai 2020 statt und behandelt das Thema Selbstreflexion und Selbstbewusstsein als Voraussetzung einer mündigen Bürgergesellschaft.

Mit seinem Literaturprogramm ehrt das Festival 2020 die vor 190 Jahren in Mähren geborene Marie von Ebner-Eschenbach, die in ihrem Heimatland kaum bekannt ist. Im Sinne der emanzipierten europäischen Schriftstellerin will das Festival zum kulturellen Austausch zwischen dem deutschsprachigen und tschechischen Kulturraum beitragen und gleichzeitig die schriftstellerische Tätigkeit von Frauen fördern. Deshalb richtet sich die Ausschreibung für den Schreibaufenthalt ausschließlich an Frauen, die auf Deutsch schreiben.

Das Writer-in-Residence Programm eignet sich für Schriftstellerinnen, die sich für mitteleuropäische Beziehungen, Geschichte, Gedächtnis oder Themen wie Suche nach Identität, multikulturelle Gesellschaft und Bürgergesellschaft interessieren. Die Autorin hat volle künstlerische Freiheit in Bezug auf die Intensität und Form der Auseinandersetzung mit den Themenschwerpunkten des Festivals.

Der Schreibaufenthalt dauert vier Wochen: vom 4. Mai bis zum 1. Juni 2020. Im Rahmen des Festivals Meeting Brno tritt die Autorin bei einer selbstständigen Autorenlesung auf, bei der sie ihre Arbeit präsentiert, mit der sie sich in der Zeit der Residenz beschäftigte, und einen eigenen Text vorliest. Darüber hinaus kann in dem Zeitraum nach Absprache mit der Autorin ein Workshop organisiert werden.

Das Festival Meeting Brno zahlt ein Stipendium in Höhe von 1000 Euro und stellt die Unterkunft in Brünn. Kosten für die An- und Abreise werden erstattet. Die Übersetzung der bei der Autorenlesung
präsentierten Texte wird vom Festival sichergestellt.

Bewerbungen sind per E-Mail an Frau Blanka Návratová (blanka.navratova@meetingbrno.cz) in deutscher Sprache einzureichen.

Betreff: „Residenz Meeting Brno 2020“.
Bewerbungsfrist: 15. Februar 2020.

Die Auswahl der Residenzautorin und Benachrichtigung aller Bewerberinnen erfolgt bis zum 28. Februar 2020.

Bewerbungsunterlagen:
– CV mit Veröffentlichungen
– Motivationsschreiben, aus dem hervorgeht, woran die Autorin derzeit
arbeitet und was für die Zeit der Residenz geplant ist
– ein repräsentativer Textauszug aus einem Werk (5-10 Seiten).

Ein Lesefest als Kulturbrücke

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Yamen 2BHussein 2B01Foto 2B02 MG 9865Am 28. August 1819 erschien bei der Cotta´schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart die Erstausgabe des „West-östlichen Divans“ von Johann Wolfgang von Goethe. Als fiktiver Dialog mit dem persischen Dichter Hafis aus Schiras wurde dieses Buch zur ersten Kulturbrücke zwischen Orient und Okzident. Daran erinnert ein Festival in Stuttgart vom 29. November bis zum 1. Dezember. Mit dabei: Dichterinnen und Dichter aus Ländern des islamischen Kulturkreises und aus dem deutschen Sprachraum. 

Gemeinsam zu lesen und über ihre Arbeit zu sprechen, vor allem aber persönlich fortzusetzen, was Goethe begonnen hat, das ist das Vorhaben der Festival-Akteurinnen und Akteure, die am 1. Adventswochenende 2019 in die Internationalen Bachakademie, ins Welthaus am Charlottenplatz, ins Zimmertheater Stuttgart und ins Alte Feuerwehrhaus Süd nach Heslach kommen werden. Hinter dem Programm des Poesie-Festivals „200 Jahre West-östlicher Divan“ stehen der Initiator Widmar Puhl, Ahmet Gül vom Verein Turkuaz, Cornelia Lanz von Zukunft Kultur und Maria Tramountani von der Autorengruppe „Literally Peace“.

Der Literaturwissenschaftler, Lyriker und Essayist Puhl, seit Jahrzehnten VS-Mitglied, begeisterte zunächst Ahmet Gül von seiner Idee – nach bleibenden Erfahrungen beim TRIMUM-Projekt der Bachakademie in den Jahren 2012 bis 2014, das damals Menschen jüdischen Glaubens, Christen und Muslime für geistliche Musik zusammenführte. Der türkische Kulturverein Turkuaz ist schon häufig als Konzertveranstalter in Erscheinung getreten und begleitet das Festival mit seinem Chor und Instrumentalisten.

Kultur als Schlüssel zum Respekt

Der Dialog zwischen westlicher und östlicher Poesie ist Puhl ein Herzensanliegen. „Dichtung kann Kulturen einander näher bringen, wenn Verständnis und Respekt an die Stelle der verbreiteten Furcht vor dem Fremden treten“, sagt er und sieht einen Zusammenhang zwischen 1819 und 2019. Als Goethes „West-östlicher Divan“ erschien, sei die Erinnerung an die Türkenkriege noch sehr frisch gewesen. Und auch heute noch werde die islamische Welt kaum als Kulturraum wahrgenommen, sondern stehe eher als unmenschlich und kulturfeindlich unter Generalverdacht.

Die breite Zahl der Unterstützer zeigt, dass Puhl mit seiner Haltung nicht alleine dasteht. Geld für das anspruchsvolle Programm gaben das Kulturamt der Stadt Stuttgart, die Hamburger ALE-Stiftung, die Berthold Leibinger Stiftung, die LBBW Stiftung und der Verlag Klett Cotta. Weitere Unterstützung kommt vom ABV-Zimmertheater Stuttgart sowie Vereinen wie Zukunft Kultur, Welthaus, Stuttgarter Schriftstellerhaus und der Akademie für gesprochenes Wort.

Das Programm des Festivals

Freitag, 29. November, 19 Uhr: „Karawanserei“ – Bachakademie Stuttgart. Lesung mit den Lyrikern Safiye Can, Najet Adouani (Tunesien) vom PEN-Programm „Writers in Exile“ und Farhad Showghi, dem Peter-Huchel-Preisträger 2018. Musik: Zura Dzagnidzse, Gitarre.

Samstag, 30. November, 15 Uhr: „Wenn Gedichte vereinen – ein syrisch-deutscher Literaturnachmittag mit Literally Peace“. „Globales Klassenzimmer“ im Welthaus am Charlottenplatz. Eine Skype-Lesung mit Steffen Gärtner und Autor*innen der Gruppe Literally Peace. Musik: Duo Ophilia (Julia Hoffmann & Jessica Haas).

Samstag, 30. November, 19 Uhr: „Dialog unterwegs“. ABV-Zimmertheater Stuttgart. Lesung mit der Schweizer Lyrikerin Ruth Loosli und Yamen Hussein (Foto oben) vom PEN-Programm „Writers in Exile“ aus Syrien. Musik: Nefi Akkaya, Rohrflöte (Ney).

Sonntag, 1. Dezember, 19 Uhr: „Divan – Träume und Albträume“. Altes Feuerwehrhaus Süd. Romantischer Liederabend nach Divan-Gedichten Goethes: Cornelia Lanz (Mezzosopran) und Yukiko Naito-Fendrich (Klavier). Rezitationen: Zukunft Kultur e.V. und Akademie für gesprochenes Wort und Flüchtlinge. Widmar Puhl liest neue Divan-Gedichte: „Suleikas rebellische Kinder“. Musik-Finale: Turkuaz-Chor und Ensemble.

Download: Programmflyer des Festivals (3,17 MB)

Make Solidarität great again

UmfrageVSBaWue
UmfrageVSBaWue

Ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Mitglieder des VS in Baden-Württemberg ticken, was sie sich wünschen, was sie erwarten – das war das Ziel einer Umfrage, die der Landesvorstand Ende 2018 vorstellte. Auf der Mitgliederversammlung 2019 am 20. Juli standen die Ergebnisse zur Debatte – plus ein Antrag von Widmar Puhl zu Lizenzgebühren für das Fotografieren und die Nutzung dieser Fotos von gemeinfreien Objekten.
Viel ist in diesem Jahr intern schon gesprochen worden über die aktuell fehlende Strahlkraft des VS in die deutsche Öffentlichkeit hinein. Nicht nur beim Bundeskongress in Aschaffenburg, sondern auch in Stuttgart bei der Mitgliederversammlung des VS Baden-Württemberg. Darüber etwa, dass die Jungen fehlen, mutmaßlich, weil sie sich andere Gemeinschaften suchen als unsere verstaubt wirkende Gewerkschaft. Oder weil sie sich eher als Individualisten und Einzelkämpfer sehen. Darüber auch, dass es kaum lautstarke Prominente im VS gibt.

Sie hätten es eben nicht nötig, prognostizierte ein Mitglied im Stuttgarter Deli und klang ein wenig resigniert. Über den Begriff der Solidarität sprach man daraufhin auch – und Martin von Arndt, der gemeinsam mit Christine Lehmann den VS-Landesvorsitz innehat, äußerte sich hoffnungsfroh. In den Schreibkursen mit jungen Menschen, die er leite, sei das, was man gemeinhin unter Solidarität versteht – also sich für andere und für die gute Sache stark zu machen – wieder spürbar.

Bei der Umfrage nach der Motivation für ihre Mitgliedschaft befragt, gaben 87,7 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die rechtliche Hilfe bei Unklarheiten als Grund an. 73,7 Prozent erhoffen sich einen Austausch mit anderen. Die Möglichkeit, im Bereich „Sonstiges“ eigene Antworten hinzuzufügen, nutzten mehrere, um ihre Überzeugung kundzutun, dass es in ihren Augen eine starke Interessenvertretung der Schriftstellerinnen und Schriftsteller brauche – und dass der VS stärker werden müsse, als er sich momentan präsentiere.
Dann wäre es auch leichter, auf jene Missstände hinzuweisen, die die Mitglieder beschäftigen. Eine drohende oder bereits spürbare Altersarmut und Urheberrechtsverletzungen bzw. eBook-Piraterie wurden in der Umfrage explizit genannt.

Aufruf zum Dialog

Kritik äußerten vereinzelte Mitglieder auch an der Vorstandsarbeit innerhalb des VS. Die Haltung in der Auseinandersetzung um die VG Wort, zu viel oder zu wenig Politik, ein zu starker Fokus auf die Interessen Stuttgarter Kolleginnen und Kollegen – dies und weiteres nannten die Abstimmenden. Christine Lehmann rief in der Mitgliederversammlung dazu auf, dass sich Unzufriedene stärker direkt zu Wort melden, damit der Vorstand sich mit ihrer Kritik auseinandersetzen könne.
 
Vermisst werden von vielen die Sommertage, rund zwei Drittel wünschen sie sich zurück. Stattfinden sollen sie der Mehrheit zufolge in einer verkehrstechnisch gut erreichbaren Kleinstadt. Der Vorstand hat dazu mit einem potenziellen Partner Verhandlungen aufgenommen.
Befragt nach den weiteren Aktivitäten, um die sich der VS bemühen sollte, wünschten sich 61,4 Prozent Seminare, speziell zum Thema Selbstvermarktung. Kulturpolitische Themen, rechtliche Fragen wie das Urheberrecht, der Buchmarkt und die Selbstpräsentation fänden ähnlich großes Interesse. Für Interessierte lohnt sich eventuell ein Blick auf das vielfältige Seminarprogramm des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

Diskussion zu Lizenzgebühren

Nach der Debatte über die Umfrage beschäftigte sich die Mitgliederversammlung noch mit einem Antrag von Widmar Puhl, der VS-Bundesvorstand möge sich dafür einsetzen, dass staatliche Institutionen keine Lizenzgebühren erheben für das Fotografieren und die Nutzung dieser Fotos von gemeinfreien, also historischen Objekten, die sich in Staatsbesitz befinden.
Puhl hatte für den Umschlag eines Lyrikbandes ein Foto eines 150 Jahre alten, somit gemeinfreien maurischen Mosaiks im Zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart geschossen und eine Abdruckerlaubnis erbeten. Die Wilhelma verlangte im Gegenzug eine Gebühr von 100 Euro, weil sie den Lyrikband als kommerzielles Produkt einstufte und mit dem Fotoshooting eines Modemagazins verglich – zum Unverständnis nicht nur von Puhl, sondern auch einem großen Teil der anwesenden Mitglieder. Ihnen leuchtete nicht ein, dass Fotos eines historischen Gebäudes oder einer Anlage Gebühren unterliegen, die mit dem Urheberrecht nicht begründet werden können.
Puhls Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.
VS Baden-Württemberg