Tübinger Manifest: Wider das Sterben der Verlage

John%2BAbel%2BT%25C3%25BCbingenHermann Bausinger, bis zu seiner Emeritierung 2003 Direktor des Tübinger Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft, und Thomas Knubben, Professor für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, sind beide Autoren bei Klöpfer & Meyer. Wie viele Autorinnen und Autoren wühlte sie die Nachricht von der vergeblichen Nachfolger-Suche des scheidenden Verlegers Hubert Klöpfer auf. Ihre Reaktion: das Tübinger Manifest wider das Sterben der Verlage, für Diversität der Literatur und Buchkultur mit vier Vorschlägen zum Umgang mit der Verlagskrise. 

In diesen Wochen häufen sich die bedrohlichen Nachrichten zur Situation der Verlage in Deutschland. Der Börsenverband des deutschen Buchhandels meldet für die Zeit von 2012 bis 2016 einen markanten Rückgang der Buchkäufer von 54 % auf 45 %, die Monopolkommission fordert die Abschaffung der Buchpreisbindung, die Deutsche Post erhöht die Portokosten für Büchersendungen um 20 %. Und nun gab der Verlag Klöpfer & Meyer in Tübingen bekannt, auf sein nächstes Frühjahrsprogramm verzichten zu müssen und dass die Arbeit des Verlages unter den gegebenen Umständen nicht mehr fortgeführt werden könne.

Dies ist aus mehreren Gründen ein ernstes Alarmzeichen. Es zeigt erstens an, wie die Konzentrationsbewegung im Verlagswesen weiter bedrohlich zunimmt. Der Verlagsbuchhandel ist heute bereits größtenteils in der Gewalt einer Hand voll Konzerne. Unabhängiges Publizieren jenseits weniger marktbeherrschender Verlage gerät dadurch in Gefahr. Dies ist ein demokratisches Problem, weil immer weniger Menschen darüber entscheiden, was über wirkungsvolle Kanäle veröffentlicht werden kann und darf.

Damit verbunden ist zweitens ein beunruhigender Verlust an Vielfalt literarischer Themen und Ausdrucksformen. Die Diversität der Literatur droht aufgerieben zu werden im Sog von reiner Marktmacht und Marktgängigkeit. Auch unabhängige Verlage müssen sich marktorientiert und marktgerecht verhalten, dafür brauchen sie aber faire und angemessene Bedingungen. Der Markt selbst regelt nicht alles. Dies ist ein ästhetisches und ordnungspolitisches Problem.

Mit dem Verlust unabhängiger Verlage geht drittens auch ein Stück kultureller Vitalität verloren. Verlage sind Knotenpunkte des geistigen Verkehrs. Sie sind eingebunden in regionale, überregionale und internationale Netzwerke. Sie ermöglichen und verdichten den Austausch innerhalb und jenseits regionaler Kulturräume – zwischen Produzenten und Rezipienten und vielen Vermittlungsinstanzen, also zwischen Schriftstellern, Essayisten, Film- und Rundfunkautoren, Lesern, Hörern, Zuschauern und Festivalbesuchern, Zeitungs-, Zeitschriften- und Rundfunkredaktionen, Buchhändlern, Bibliothekaren, Hochschulen und Volkshochschulen sowie Literaturzirkeln jeglichen Zuschnitts. All dies zu bewahren ist ein kulturpolitisches Problem.

Was kann gegen die drohenden Verluste getan werden, wie können literarische Diversität und kulturelle Vitalität erhalten werden? Wo sind mögliche Ansätze kulturpolitischen Handelns?

Vier Vorschläge mögen den Weg zur aktuellen und langfristigen Bewältigung der Krise andeuten:

1. Die strukturellen Probleme der unabhängigen Verlage müssen von der Kulturpolitik ernst genommen werden. Die Herausforderungen sind gewaltig. Sie reichen von den Digitalisierungsprozessen über soziokulturelle Verschiebungen bis hin zu urheberrechtlichen Fragestellungen. Bislang wurden sie überwiegend als Angelegenheit der Wirtschaftspolitik betrachtet. Damit werden sie jedoch nicht hinreichend erfasst. Der erste Schritt von Seiten der Kulturpolitik bestünde daher darin, sich für diese Fragen zuständig zu erklären. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters hat dies bereits getan, hat die Buchpreisbindung für unverzichtbar erklärt und einen Preis für ausgezeichnete Verlage angekündigt. Dies ist freilich nicht genug, die Länder müssen ihr mit eigenen Aktivitäten und Anstrengungen folgen. Deren Koordination wäre eine sinnvolle Aufgabe für den von der Sächsischen Kunstministerin Eva-Maria Stande dieser Tage vorgeschlagenen Länderkulturrat.

2. Ein großes Hindernis für wirkungsvolle strukturelle Förderaktivitäten seitens der Kulturpolitik gerade auch im Hinblick auf die Verlage besteht in der überkommenen Trennung zwischen Profit- und Non-Profit-Akteuren. Diese Unterscheidung mag im Hinblick auf Förderverfahren und Steuerfragen verständlich sein, wird aber den vielfachen Verschränkungen zwischen den Sektoren nicht mehr gerecht und verhindert daher oftmals sinnvolle Interventionen. Sie ist aus der Sicht der Bürger als Leser, Museumsbesucher oder Kinogänger, auf die es nicht zuletzt ankommen sollte, auch völlig belanglos. Andere Länder wie Österreich und die Schweiz verfügen bereits seit 1992 bzw. 2016 über eine Verlagsförderung und überwinden damit die in Deutschland herrschenden Barrieren. Deren Förderung setzt auf Programmqualität, verlegerische Professionalität und langfristige Wirkung. Ihre Konzepte könnten als Benchmarking für entsprechende Initiativen der Länder und des Bundes dienen.

3. Langfristige Konzeptionen bedürfen einer ausreichenden Datenbasis und -analyse. Die Autoren- und Künstlerreporte der frühen 1970er-Jahre waren Ausgangspunkt der vorbildlichen deutschen Künstlersozialversicherung, der Bericht der Enquete-Kommission Kultur in Deutschland Wegbereiter für eine neue Sensibilität gegenüber kulturpolitischen Entwicklungen und Erfordernissen. Er liegt nun aber auch wieder bereits mehr als 10 Jahre zurück. Es braucht daher aktuelle Erhebungen und einen neuen umfassenden Report über die zu erwartenden Entwicklungen im Literaturbetrieb und Verlagswesen. Sie stellen noch immer den größten Sektor im Kulturbetrieb dar, haben eine enorme wirtschaftliche wie kulturelle Bedeutung und müssen daher in ihrem komplexen Zusammenspiel fundiert in den Blick genommen werden.

4. Die Probleme der Verlage sind allerdings zu drängend, als dass sie auf die Ergebnisse eines Gutachtens oder einer Kommission warten könnten. Diese sind auf langfristige Perspektiven ausgerichtet. In der Zwischenzeit bedarf es schneller Interventionen, denn kulturelle Einrichtungen, die einmal untergegangen sind, lassen sich in der Regel nicht mehr oder nur mit erheblich höherem Einsatz wiederbeleben. Das Land Baden-Württemberg ist der Literatur nicht zuletzt aus historischen Gründen in besonderer Weise verbunden und bringt dies auch in einer breiten Literaturförderung zum Ausdruck. Es hat in den vergangenen Jahrzehnten mit seinen Kulturkonzeptionen und Gründungen von neuen Kultureinrichtungen immer wieder Maßstäbe gesetzt. Es hat zuletzt aber seine führende Stellung im Verlagswesen verloren. Renommierte Häuser, die das literarische und kulturelle Profil des Landes über lange Zeit geprägt haben, sind abgewandert, wurden anderswo eingegliedert oder haben aufgegeben. Das Land verfügt über eine Fülle von Instrumenten und aktuell auch über ausreichend Finanzmittel, um hier entgegen zu wirken. Es muss nur wollen und wieder einmal seine kulturpolitische Kreativität unter Beweis stellen.

Der Klöpfer & Meyer Verlag in Tübingen ist seit 27 Jahren eine tragende Säule des Literaturlebens nicht nur in Baden-Württemberg. Er hat viele Schriftsteller aus dem deutschen Südwesten überregional bekannt gemacht und Literaten von außerhalb hier heimisch werden lassen. Der Verlag und seine Autoren wurden vielfach ausgezeichnet. Das Ende von Klöpfer & Meyer wäre nicht das Ende der Literatur in Baden-Württemberg, aber es wäre mehr als der Anfang vom Ende, und wenn nichts gegen die strukturellen Probleme unternommen wird, ist auch das Ende selbst bald abzusehen.


Creative-Commons-Foto: John Abel – Tübingen (via Flickr, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0)

Hegel-Preis 2018: Verleihung am 11. Juni

Der Preisträger Prof. Michael StolleisAlle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt Stuttgart den Hegel-Preis an Persönlichkeiten, die sich um die Entwicklung der Geisteswissenschaften verdient machen oder gemacht haben. 2018 geht der mit 12.000 Euro dotierte Preis an den Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker Professor Dr. Michael Stolleis. Die Verleihung findet am Montag, 11. Juni, um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses statt.

Der am 20. Juli 1941 in Ludwigshafen am Rhein geborene Stollies studierte Rechtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg und habilitierte 1973 in München für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht, Neuere Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2006 war er Professor für Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main.


In Ihrer Begründung nannte die Jury des Hegel-Preises Stolleis einen „der fruchtbarsten und scharfsinnigsten Rechtsdenker der Gegenwart“ und würdigte, dass er in seinem Werk „ein Höchstmaß an Tiefenschärfe mit einem souveränen Überblick über die ideengeschichtliche, politische und gesellschaftliche Verwobenheit der Rechtsnormen und Rechtstexte“ verbinde.
Bei der feierlichen Preisverleihung am Montag, 11. Juni, hält der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Begrüßung, für die Laudatio ist der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Klein verantwortlich. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Matthias Frenz, für die musikalische Untermalung sorgt das Tónlist-Quartett mit Musik von Joseph Haydn.

Foto: Christiane Birr

Noch bis 30. April für Innovationsfonds Kunst bewerben

Olschowski
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg schreibt den Innovationsfonds Kunst 2018 aus und unterstützt Kunst- und Kulturprojekte von gemeinnützigen, im Land ansässigen Einrichtungen und Institutionen wie Stiftungen, Vereine, öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Körperschaften. Die Antragsfrist endet am 30. April. 

Die Landesregierung, allen voran die Kunststaatssekretärin Petra Olschowski (Foto), sieht in ihm ihr wichtiges Förderinstrument in der Kunst- und Kulturlandschaft Baden-Württembergs, seit seiner Einführung erhielten insgesamt 488 Projekte mehr als 11,5 Mio. Euro aus dem Fördertopf. Jetzt wartet der Innovationsfonds Kunst auf neue Bewerber. Die Fördersummen liegen zwischen 10.000 und 50.000 Euro. 
„Der Innovationsfonds Kunst hat sich als unverzichtbarer Impulsgeber etabliert, um innovativen künstlerischen Fragestellungen Raum zu geben. Darüber hinaus ermöglicht er, aktuellen Herausforderungen und zentralen gesellschaftlichen Themen mit den Mitteln von Kunst und Kultur zu begegnen“, sagte Olschowski beim Startschuss der Ausschreibung.

Sie umfasst die Programmlinien „Innovative Projekte“, „Kulturelle Bildung“, „Kunst und Kultur für das ganze Land“ und „Interkultur“. Ziel ist es, kreative Spielräume für neue Ausdrucks- und Beteiligungsformen, für spartenübergreifende Ansätze und ungewöhnliche Aufführungsorte in allen Sparten des Kulturbereichs zu schaffen. Der Fonds will Projekte und Aktivitäten ermöglichen, die unabhängig vom Alltagsbetrieb Raum für neue Entwicklungen geben. Die Bewerbungsfrist endet am 30. April. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Jury. 

Alle Informationen zu den linienspezifischen Förderichtlinien des Innovationsfonds und zu weiteren Ausschreibungen des MWK stehen auf https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/service/ausschreibungen. 


Foto: MWK/Pfisterer


Wir brauchen eine neue Zukunftserzählung

Eva%2BLeipprand

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller beobachtet mit Besorgnis den Rechtsruck und den Rückfall in nationalistisches Denken in unserem Land, aber auch in Europa und weltweit. (Pressemitteilung)


Demokratische Werte scheinen plötzlich nicht mehr selbstverständlich, der Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt. Der Blick zurück ist aber gefährlich und kann keines der anstehenden Probleme lösen, so die VS Vorsitzende Eva Leipprand. Über Jahre hin hat die Politik auf Bundesebene versäumt, sich mit den Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung auf Kultur und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Der VS appelliert an die neue Bundesregierung, endlich eine sinnstiftende Zukunftserzählung zu entwickeln.
Bei ihrer Jahrestagung in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel diskutierten die Bundes- und Landesvorsitzenden des VS am 23. Februar 2018 Grundlinien einer Charta zur Wahrung demokratischer Rechte, die für die Mitgliedschaft im VS bindend werden soll. Diese Charta soll beim Jubiläumskongress zum 50-jährigen Bestehen des VS im Februar 2019 verabschiedet werden.
Ebenso wurde auf der Sitzung in Wolfenbüttel beschlossen, dass sich der Verband der Initiative »#VerlageGegenRechts« anschließt und an entsprechenden öffentlichen Diskussionen auf der Leipziger Buchmesse teilnimmt. Seit seiner Gründung tritt der VS ein für freie Meinungsäußerung und eine humanistische, demokratische, offene Gesellschaft, die jedwede Form von Unterdrückung und Diskriminierung ablehnt.
Er setzt sich ein für Frieden weltweit und ächtet Nationalismus als Keimzelle künftiger Kriege.
Von der neuen Bundesregierung erwartet der VS neben einer harten inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD auch wirksame Maßnahmen gegen die rechten Tendenzen im Land. Die rasanten Veränderungen infolge von Globalisierung und Digitalisierung haben vielerorts dazu geführt, dass Menschen sich verunsichert und machtlos fühlen. Der Blick zurück in die »gute alte Zeit« scheint Geborgenheit zu garantieren. Einfache Antworten aus der Mottenkiste des Nationalismus und Rassismus haben Hochkonjunktur. Abgrenzung, Ausgrenzung und Abwertung anderer können aber keine Lösung sein für Probleme, die ganz klar übernationaler Natur sind, so die Vorsitzende. Dies muss immer wieder deutlich gemacht werden. Gerade weil die Globalisierung vielerorts zu Raubbau, Umweltzerstörung und großer Ungerechtigkeit geführt hat. verlangt eine gute und zukunftsfeste Politik nach einer übernationalen Sichtweise. Die Themen Umwelt, Gerechtigkeit und Migration bedingen sich gegenseitig.
Der VS ruft die Bundesregierung auf, die Gestaltungsmacht der Politik auf allen Ebenen gegenüber der wachsenden Ökonomisierung unserer Lebenswelt geltend zu machen. Die Humanisierung der neuen Technologien ist dringend notwendig, ebenso wie digitale Grundrechte für jede und jeden. Die Demokratie als Staatsform muss wieder an Glanz gewinnen und Visionen für die Zukunft entwickeln, zum Beispiel im Rahmen der Europäischen Union. Internationale Digitalkonzerne haben sich an die Regeln zu halten, nach denen unsere Gemeinschaft funktioniert: Steuern zahlen, Datenschutz und Urheberrecht achten, gerechte Arbeitsbedingungen schaffen. Die Wirtschaft muss wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Nur so kann das
Vertrauen entstehen, das unsere Gesellschaft zusammenhält.
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Die VS-Pressemeldung vom 27. Februar 2018 kann von der Internetseite http://vs.verdi.de als pdf-Datei geladen werden.

Neue Ausschreibung: Digitalisierung – Industrie 4.0 | Zukunft der Arbeit

20445410340 c1a0fe6a6a zDer Werkkreis Literatur der Arbeitswelt und der VS Bayern suchen Beiträge für eine Anthologie. Ziel und Zweck: eine literarische kritische Auseinandersetzung und die konkrete Utopie zur Digitalisierung und zur New Economy. Bewerbungen sind bis zum 30. April 2018 möglich.

Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt e.V. und der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di, VS Landesverband Bayern fühlen sich der Demokratie und den allgemeinen Menschenrechten verpflichtet. Die zur Zeit gleichzeitige Demontage von Menschen- und Arbeitsrechten seitens der jungen, innovativen Branchen der ‚New Economy‘ sowie aller anderer Wirtschaftszweige bedingt grundlegende soziale Veränderungen.

Dies sind für den Werkkreis und den VS triftige Gründe, zur gegenwärtigen und zukünftigen alltäglichen Arbeits- und sozialen Welt kreativ-literarisch Stellung zu nehmen. Mit einer entsprechenden Anthologie wollen sie den vielschichtigen Fragen nachgehen.

Anforderungen:
*   Die literarischen Texte sollen die Technologie-Euphorie in unserem gegenwärtigen Alltag kritisch beleuchten.
*   Die eingereichten Texte sollen die Digitalisierung, New Economy und Big-Data teilweise oder gänzlich in ihren praktischen politischen Maßnahmen beschreiben. Wie der formal demokratisch regierte Kapitalismus die Quellen und den Nährboden zu grundlegenden Veränderungen des Alltags führen, ist literarisch kreativ darzustellen.
 *   Die literarischen Texte sollen die durch die Digitalisierung bedingten beträchtlichen antidemokratischen, diktatorischen Formen in unserem gegenwärtigen Alltag charakterisieren.

Mögliche literarische Genres sind Lyrik, Kurzgeschichten, Reportagen, deutliche Satiren und andere Kurzprosaformen, szenische Texte, Lieder/Noten. Der beste Text wird vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt e.V. mit einem Anerkennungspreis von 600 Euro honoriert.

Die vollständige Ausschreibung mit einer Hintergrund-Skizze und den Einsendeadressen steht auf http://www.werkkreis-literatur.de.

Foto: CC BY-SA 2.0 / Christiaan ColenBinary Code

Jetzt bewerben als Stadtschreiber/in von Rottweil

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In diesem Jahr wird die Rottweiler Stadtschreiber/innenstelle zum 18. Mal besetzt. Für drei Monate (15. September – 15. Dezember) hat ein deutscher oder Schweizer Autor bzw. eine Autorin die Möglichkeit, in der ältesten Stadt Baden-Württembergs zu leben und zu arbeiten.

Ein Wohn-/Arbeitszimmer im Bischöflichen Konvikt im Herzen der mittelalterlichen Stadt bietet Entspannung und Inspiration. Betreut und begleitet wird die Stelle vom Kulturamt der Stadt Rottweil. Erwartet wird die Bereitschaft, bei kulturellen Anlässen der Stadt mitzuwirken und eine vom Konvikt, den städtischen Schulen und interessierten Kreisen der Bevölkerung getragene literarische Jugendschreibwerkstatt zu betreuen. Weiterhin sollte im Zug und zur Vorbereitung des „Schreibspuren“-Schreibwettbewerbs der Rottweiler Schulen an den betreffenden vier Schulen ein jeweils einmaliger, doppelstündiger Schreibworkshop für ausgewählte Schülerinnen und Schüler der Unterstufe angeboten werden.

Das monatliche Salär beträgt bei freier Kost und Unterkunft 1.500 Euro.
Dem Stadtschreiber/der Stadtschreiberin steht für die Dauer seines/ihres 3-monatigen Aufenthaltes in der Stadt ein Wohn-/Arbeitszimmer im historischen Gebäude des Bischöflichen Konvikts zur Verfügung. Das Zimmer verfügt über ein Waschbecken, das WC ist direkt benachbart, Duschräume befinden sich ebenfalls nicht weit. An den Mahlzeiten der Schüler (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) darf er/sie als ständiger Gast des Hauses jederzeit teilnehmen. Nicht erwartet wird die Teilnahme an kirchlichen und sonstigen internen Veranstaltungen, aber Toleranz und Akzeptanz gegenüber der christlichen Zielsetzung des Hauses sowie Offenheit für die Anliegen der Schüler/innen. Der Stadtschreiber soll nach Vorstellungen der Konviktsleitung ein integraler Bestandteil im Leben des Hauses sein. Residenzpflicht besteht nicht, aber eine gewisse Regelmäßigkeit in der Präsenz ist erwünscht.

Bewerben können sich Autoren aus dem süddeutschen Raum (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz) sowie deutschsprachige Autoren aus der Schweiz. Die Auswahl erfolgt im Rahmen einer Jury durch das Kulturamt der Stadt Rottweil in Zusammenarbeit mit dem Schriftstellerverband VS Baden-Württemberg. Wir freuen uns über ein kurzes Motivationsschreiben mit Bild, in dem Sie kurz darlegen, was Sie an unserer Stadt und am Leben im Konvikt reizt.

Bewerbungen unter Einreichung einer Biobibliographie und Textproben (max. 10 Seiten) – auch gerne digital – bis 15. April 2018 an:

Kulturamt Rottweil, Stichwort: „Stadtschreiber“, Hauptstr. 23, D – 78628 Rottweil, oder per E-Mail an: christiane.frank@rottweil.de

Manuela Fuelle bekommt den Thaddäus-Troll-Preis

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Der mit 10.000 Euro dotierte Pries wird jedes Jahr vom Förderkreis deutscher Schriftsteller vergeben. Manuela Fuelle bekommt die Auszeichnung für ihren Roman „Luftbad Oberspree“ verliehen.

Hier der Pressetext des FdS: 

Die Freiburger Autorin erhält am 10. Dezember 2017 im Literaturhaus Freiburg die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung. Manuela Fuelle wurde 1963 in Ost-Berlin geboren, studierte Evangelische Theologie in Greifswald und Berlin. Sie ergänzte ihre Ausbildung durch ein Studium am Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen. Manuele Fuelle veröffentlichte zahlreiche literarische Beiträge in Zeitschriften, erhielt 2007 das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste in Berlin, 2012 das Literaturstipendium des Landes Baden-Württemberg. Nach „Fenster auf, Fenster zu“, 2011 im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer, ist „Luftbad Oberspree“, im Freiburger Derk Janßen Verlag 2016 erschienen, ihr zweiter Roman.
Die unabhängige Jury schreibt in ihrer Begründung: „In ‚Luftbad Oberspree‘ führt die Ich-Erzählerin, eine junge Mutter im Berlin der Wendezeit, in zwölf Episoden durch ihr Leben. Die Kapitel tragen schmucklos die Namen der Monate, die geschilderten Begegnungen halten sich nicht an die vorgegebene Reihenfolge – als sollte der Kalender die springenden Erinnerungen der Ich-Erzählerin zur Ordnung rufen.

Die junge Frau entwirft mit schöner Nüchternheit ein Panoptikum banaler und skurriler Begebenheiten. Der Nahbereich, die eigene kleine Familie, wird dabei nur gestreift. Der Fokus ist auf Beziehungen aus der Vergangenheit und eine Gegenwart eingestellt, von der sich die Frau spürbar entfernt hat. In den Erzählungen spiegelt sich auf sachliche und zugleich raffinierte Weise die innere Distanz der Frau, die unentschlossen, hustend und wehrlos in der Welt steht. Diese schwankende und zerrissene Frau sehnt sich nach einer heilenden Natur und einer stabilen Außenwelt und sie weiß zugleich, dass beides nur Illusion ist. Sie sehnt sich nach einem Leben, das nicht ihres ist, aber sie scheint auch kein anderes zu wollen. Das „Luftbad“, eine altmodische Idee von Seelendusche und innerer Kräftigung, bleibt ein Versprechen, das im „Luftbad Oberspree“, dem ironischen Titel für Berlin, als uneinlösbar entlarvt wird.

Manuela Fuelle beschreibt die Fremdheit ihrer Ich-Erzählerin ohne Pathos, ohne aufgesetzte Metaphorik, in klaren Bildern und in einer klaren Sprache. Manchmal brechen die Sätze ab, gehen in eine Alltagssprache über, und die Erzählerin rückt dem Leser noch näher. Am Ende glaubt man, sie gut zu kennen. Man mag ihren lakonischen Blick auf die Welt. Man mag die Episoden, die ihre Komik aus dem Hinterhalt entwickeln – und man leidet mit ihr. Die Jury fand, dass Manuela Fuelle den Thaddäus-Troll-Preis verdient hat“.

Der Thaddäus-Troll-Preis wird zum Andenken an den Schriftsteller Thaddäus Troll, der sich um die Förderung weniger bekannter Autorinnen und Autoren besonders verdient gemacht hat, jährlich verliehen. Der Thaddäus-Troll-Preis soll qualifizierte Autoren mit erstem Wohnsitz in Baden-Württemberg fördern, die am Anfang ihrer literarischen Karriere stehen.

Das Preisgeld stammt aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg und wird von einer unabhängigen Jury unter Leitung des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg verliehen.

Zur Preisverleihung und Lesung am Sonntag, 10.Dezember 2017, ab 10.00 Uhr in den Räumen des erst jüngst eröffneten Literaturhauses Freiburg in der Alten Universität in der Bertoldstraße 17 ist die Öffentlichkeit eingeladen.

Die Laudatio wird die Tübinger Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin Dagmar Leupold halten.

Der international renommierte Cellist Juris Teichmanis wird die Matinee mit Auszügen aus der Suite Nr. 3,C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach begleiten.

Der Eintritt ist frei.

Der VS Baden-Württemberg wählt Doppelspitze

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Auf Antrag des Vorstands hat die Mitgliederversammlung am Samstag, den 25. November, einer Änderung an der Spitze zugestimmt. Der VS Baden-Württemberg geht mit einer Doppelspitze in die Arbeit der kommenden vier Jahre. 

Christine Lehmann bleibt Vorsitzende. Ebenfalls zum Vorsitzenden wurde Martin von Arndt gewählt, der bereits über viele Jahre Vorstandsarbeit macht, beide mit jeweils nur einer Gegenstimme. Eva Ehrenfeld einstimmig wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Beisitzer/innen bleiben Claudia Gabler und Nicolai Köppel. Neu hinzu kommen Marc Bensch und Iris Caren von Württemberg.

Auf dem Foto von links nach rechts: Iris Caren von Württemberg, Martin von Arndt, Nicolai Köppel, Christine Lehmann, Eva Ehrenfeld, Marc Mensch (Claudia Gabler war wegen Krankheit entschuldigt). Und hier der Link zum teils neuen, teils alten Vorstand.

Jetzt fürs Hannsmann-Poethen-Stipendium bewerben

Hannsmann Poethen Stip
Die Landeshauptstadt Stuttgart schreibt im zweijährigen Turnus das Hannsmann-Poethen Literaturstipendium aus. Bewerbungsschluss ist am 15. November 2017.
Das Stipendium wird 2018 für den Aufenthalt in Stuttgart in demselben Jahr vergeben. Und zwar an ein Künstler/innen-Duo aus den Bereichen Literatur und Kunst.
Die Unterlagen sind einzureichen beim
Kulturamt Stuttgart
Hannsmann-Poethen-Literaturstipendium
Eichstraße 9
70173 Stuttgart
Informationen unter: www.stuttgart.de/hannsmann-poethen-literaturstipendium Die einzureichenden Unterlagen
Die Bewerbung muss umfassen
· Motivationsschreiben
· Lebensläufe mit entsprechenden Angaben zur bisherigen Laufbahn
· Projekt- oder Ideenskizze bzw. Exposé (max. 2 Seiten DIN A4).

Die Skizze sollte umfassen
· Ziel und Inhalt des Projektes
· kurze Darstellung des gesellschafts- und gegenwartskritischen Ansatzes
· Zeitschiene für die Umsetzung des Vorhabens

· Nennung möglicher Partner in Stuttgart
· Finanzierungsplan

Nachweis Autorin/Autor
· Nachweis mindestens einer Veröffentlichung in einem etablierten Verlag oder Theater, bei einem Rundfunk- oder Fernsehsender etc. (Buch, Theaterstück, Hörspiel, Drehbuch, Medienarbeit). Publikationen im Selbstverlag oder als Book on Demand finden keine Berücksichtigung.

Nachweis Tandem-Partner/in
· Nachweis mindestens eines künstlerischen Projekts mit Öffentlichkeitswirkung
Beide Nachweise sollten als Publikation (Kunstkatalog, DVD, CD oder ähnliches) beigefügt werden. Sollten mehrere Arbeiten und Veröffentlichungen nachzuweisen sein, genügt neben einem Belegexemplar die schriftliche Dokumentation der weiteren Arbeiten.

Die Idee
Gemeinsam setzen die Stipendiatinnen und Stipendiaten in Stuttgart ein literarisch-künstlerisches Projekt um. Maßgabe für die Vergabe sind die künstlerische Qualität und der spartenübergreifende Charakter des zu realisierenden Projektes sowie die gemeinsame Arbeitsweise. Das Vorhaben soll daneben einen gesellschaftskritischen Ansatz spiegeln und neue Impulse für das kulturelle Leben entwickeln.

Die Umsetzung
Das Stipendium ist an einen dreimonatigen Aufenthalt in Stuttgart gebunden. Partner des Stipendiums ist für die Autorin/für den Autor das Schriftstellerhaus Stuttgart. Entsprechend der Kunstsparte des Tandempartners wird eine zweite Partnereinrichtung gesucht.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten sollen ohne Produktionsdruck kreativ sein können. Sie arbeiten selbständig und ungebunden. Das Kulturamt vermittelt Kontakte zu Akteuren des kulturellen Lebens in Stuttgart, um Begegnungen und den Austausch mit der hiesigen Kulturszene zu fördern. Dieser Idee folgend wäre es wünschenswert, wenn sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten bei einer Veranstaltung (beispielsweise Werkstattgespräch) der Öffentlichkeit vorstellen. Des Weiteren sollte das Stipendium mit einer Uraufführung oder Präsentation der Arbeit in Stuttgart abschließen.

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Das Ziel
Das innovative, spartenübergreifende Stipendium bringt Literatur mit anderen Kunstformen (Kunst, Musik, Theater, Film, Neue Medien etc.) zusammen. Durch diesen Ansatz kann die literarische, aber auch die gesamte kulturelle Szene weiter belebt und für neue, ungewohnte Erfahrungen geöffnet werden.

Der Hintergrund
Angeregt wurde der Ansatz des Stipendiums durch das Autorenpaar Margarete Hannsmann und Johannes Poethen, die gemeinsam in Stuttgart lebten und arbeiteten. Beide hatten ein großes Interesse an anderen Kunstrichtungen, wie z. B. Musik, Medien und bildende Kunst, die Eingang in ihre Arbeiten fanden. Ihr Werk, das in Stuttgart und Griechenland beheimatet war, setzte sich kritisch mit politischen Entwicklungen und dem Zeitgeist auseinander. Auch die Beziehung Hannsmanns mit ihrem späteren Lebensgefährten, dem Grafiker und Bildenden Künstler HAP Grieshaber, war vom genreübergreifenden Austausch und vom Engagement geprägt.

Die Beurteilungskriterien
· literarisches/künstlerisches Potenzial
· persönliche und literarisch/künstlerische Motivation
· Projekt- oder Ideenqualität (formal und inhaltlich)
· spartenübergreifendes Konzept und gemeinsame Arbeitsweise
· gesellschafts- und gegenwartskritischer Ansatz
· realistischer Projekt- und Zeitplan (Realisierungszeitraum: bis Ende 2018)
· ausgeglichener Kosten- und Finanzierungsplan

Das Auswahlverfahren
Über die Vergabe des Stipendiums entscheidet eine Fachjury. Dieser gehören Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Hörspiel, Kulturjournalismus, Darstellende Kunst, und Musik sowie die Fachreferentin für Literatur des Kulturamtes Stuttgart an.

Tina Stroheker bekommt den Andreas-Gryphius-Preis 2017

 Foto: Horst Alexy 

Wir gratulieren unserem VS-Mitglied ganz herzlich. 

Hier der Pressetext:

Seit 1957 verleiht die Künstlergilde Esslingen den Andreas-Gryphius-Preis. Er ist nach dem schlesischen Barockdichter benannt, dem die deutsche Literatur Dramen und großartige Sonette verdankt. Mit dem Preis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, deren Veröffentlichungen zur Verständigung zwischen Deutschen und ihren östlichen Nachbarn beitragen.

Der Andreas-Gryphius-Preis würdigt ein literarisches Gesamtwerk. 

Tina Stroheker hat sich durch Lyrikbände einen Namen gemacht, die mehrfach ausgezeichnet wurden, zuletzt 2008 „Was vor Augen liegt“, verlegt von Klöpfer & Meyer in Tübingen, ihrem Verlag seit 20 Jahren. Daneben gibt es Kurzprosa von ihr, stark beachtet 2013 eine Liebesgeschichte in Miniaturen, „Luftpost für eine Stelzengängerin“. Einen Schwerpunkt im Werk der Autorin bilden die deutsch-polnischen und die deutsch-tschechischen Beziehungen, widergespiegelt in der Literatur. „Polnisches Journal“ (1998) war die erste ihrer Publikationen über Begegnungen mit Polen, dazu kommen Bücher zum Werk des böhmischen Autors Josef Mühlberger; diese Publikationen stießen diesseits und jenseits der Grenzen auf reges Interesse. Außerdem wirkt die Autorin an ihrem Wohnort württembergischen Eislingen seit Jahren als Anregerin und Kuratorin literarischer Projekte, z.B. des Eislinger Poetenwegs. Tina Stroheker ist u.a. Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland, Verband deutscher Schriftsteller und in der Europäischen Autorenvereinigung KOGGE.

Die Verleihung des Preises findet am 10. November, 18 Uhr, im Gerhart Hauptmann-Haus, Düsseldorf, statt.

Frühere Preisträger waren u.a. Horst Bienek, Karl Dedecius, Günter Eich, Jiří Gruša (Tschechien), Peter Härtling, Peter Huchel, Reiner Kunze, Josef Mühlberger, Dagmar Nick, Johannes Urzidil, Otfried Preußler, Andrzej Szczypiorski (Polen).

Das Leben des im heute polnischen Glogau (Głogów) geborenen Autors Gryphius war von den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges und von religiöser Verfolgung geprägt. Dem Frieden galt sein tiefes Engagement. Gryphius beschäftigten, so der Germanist Wolfgang Beutin, „das Leiden, die Gebrechlichkeit der Welt und des Lebens“ des Menschen.“
VS Baden-Württemberg